Gepäcklauf

13 05 2009

Spontane Ideen sind doch oft die besten. Nach erledigten Hausaufgaben und Hausarbeiten packte mich heut die Lauflust. Nun funktioniert Sport bei mir meist besser, wenn er einem höheren Zweck dient, zum Beispiel der Fortbewegung. Schnell war ein Ziel gefunden, schön grün und auch nicht utopisch weit weg. Dreizehn Kilometer, das klang nach einer sehr machbaren Wanderung. Oder doch lieber joggen? Ich hielt mir beide Optionen offen, packte meine Sachen und machte mich auf den Weg.

Das Wetter war wunderbar, sonnig und nicht zu warm, zum Anfeuern noch etwas Musik auf die Ohren und so joggte ich munter durch den Wedding, durch Moabit und dann nach Tiergarten. Alles war so weit ruhig, die Männer rauchten Shisha vor ihren Geschäften, die Vögel zwitscherten, Kinder fuhren mir mit ihrem Rad vor die Füße. Nur ein paar Leute sahen sich nach mir um, als ich so mit dem Rucksack an ihnen vorbeihoppelte. Jenseits des 17. Juni wurde es schon etwas spannender, viele junge Männer (TU-Studenten — lecker) und dann ein paar ziemlich noble Restaurants und teure Läden, Frauen die Zigarette mit Spitze rauchten, schicke, gelangweilte Kellner und dergleichen mehr. Die City West eben. Und noch immer joggte ich, atmete nur an roten Ampeln kurz durch und hatte schon die Hälfte der Strecke geschafft. Schnell weg aus diesem Teil Berlins, in dem ich heute noch mehr als sonst deplatziert wirkte.

Immer weiter, weiter, solange die Knie noch mitmachen und die Schultern noch nicht zu sehr unter dem Rucksack leiden. Nach ungefähr einer Stunde musste ich aufs Klo, aber das ist in solchen Situationen ja nebensächlich. Weiterlaufen. Noch fünf Kilometer, noch drei, langsam schon mehr Grün. Der vorletzte Kilometer war der fieseste, mit geschundenen Knien und einem unfreiwilligen Abweichen von der Route. Aber dann: Wiedererkennen, letztes Abbiegen und schließlich nach einer Stunde und vierundvierzig Minuten kräftig durchatmen und auf einer Gänseblümchenwiese die Beine dehnen. Und ich durfte erleichtert feststellen: So schlimm war es gar nicht.

Jetzt, nach Dusche und Imbiss gebe ich mich Freude und Stolz hin und bin mir ganz sicher, dass ich den Weg zur Uni morgen mit den Öffentlichen antreten werde.


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5 Antworten

15 05 2009
foe

du bist also in meine alte bzw.neue und dann doch nicht mehr aktuelle heimat gerannt? ich geb ja zu es ist schoen da aber nicht weniger schnoeselig als unter den linden… und du kommst 1,5 Jahre zu spaet, nur falls du mich gesucht hast ;-)

15 05 2009
Ella Shzzzq

Schnöselig ist es in der Tat. Aber du weißt doch, für eine warme Dusche setzt sich das Opportunistennörchen mit Freuden über seine Prinzipien hinweg.

18 05 2009
chérie

Alles klar bei dir?

18 05 2009
Ella Shzzzq

Alles bestens. Hervorragend, möchte ich sagen.

19 05 2009
jan

Ich liebe die Karte und die lustige Planung :-) Du solltest ein GPS besitzten so kannst du deine Touren alle bei Google Earth importieren :-)

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