Sex in der U-Bahn

20 04 2009

Gestern auf dem Weg zum Tanzen stand da im unwirklich schönen Sonnenlicht im unwirklich stillen Berlin vor einem Haus eine unscheinbare Kiste voller Bücher. “Zum Mitnehmen“ stand da auch noch. Ziellos ließ ich meinen Blick über die Buchrücken streifen, bis er an einem hängenblieb. Lag wohl an der fetten, weißen Schrift auf schwarzem Grund. Ich nahm das Buch in die Hand und fand die Vorderseite im krassen Gegensatz zu meinen Erwartungen gestaltet, obwohl ich vorher nicht einmal gewusst hatte, dass ich Erwartungen hegte. Ich drehte es herum und fand die Rückseite im krassen Gegensatz zur Vorderseite und ebenfalls im krassen Gegensatz zu meinen nun durch die Vorderseite geweckten Erwartungen gestaltet, allerdings wieder etwas näher an denen, die offenbar durch den Titel suggeriert worden waren. Soweit verwirrt und interessiert nahm ich das Buch mit und nun habe ich heute auf dem Weg zur Uni sowie im Hörsaal selbst von einem ziellosen Wanderer im Frankfurter Bahnhofsviertel gelesen, von einer portugiesischen Prostituierten und einer ohne Arme, von Sex ohne Gefühle, dafür aber mit Poesie.


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