Das leidige Thema II

3 12 2008

Die Umfrage läuft, wenngleich schleppend (So wird das nix mit dem empirischen Erkenntnisgewinn!) und anscheinend beschäftigen sich auch andere derzeit mit dem ganzen Gefühlsscheiß, zum Beispiel sie und er und er. Und meistens sieht die Sache nicht gut aus. Schade ist das.

Sollten uns denn nicht dieser Hormontanz und das Herzklopfen eigentlich das ganze Lebenschaos erträglicher machen? Stattdessen scheint es, als würde die Liebe, oder vielmehr ihr Scheitern, uns das Dasein verleiden. Klar, denken wir dann in unserer grenzenlosen Abgeklärtheit, geht auch ohne, schließlich hab ich ja die besten Freunde, einen coolen Job oder vielleicht zumindest ein brauchbares Hobby. Und wenn wir die Beziehungen der anderen sehen, sind wir vielleicht ganz froh, dass uns das erspart bleibt. Wenn der eine sich verbiegt, um dem anderen zu gefallen. Oder wenn der andere nur deshalb nicht Schluss macht, weil es so immer noch bequemer ist. Oder wenn sich zwei, die behaupten, einander zu lieben, mehr Schmerzen als Freude bereiten.

Und doch wäre es vielleicht schöner mit? Aber ach, so vieles spricht ja dagegen. Die Erwartungen zum Beispiel. Und dabei erwarten wir ja nicht viel. Nur eben, dass alles stimmt. Schließlich haben wir auch einiges zu bieten, mit unseren verkrüppelten, kleinen Seelen und notdürftig geflickten Herzen.

Und der Stolz. Denn nie würde es uns einfallen, zuzugeben, dass wir vielleicht schon längst mittendrin stecken, wenn das Gegenüber keine übereindeutigen Zeichen gibt. Dann nämlich könnte das heikle Machtverhältnis kippen und uns unsanft auf den Boden der Tatsachen werfen.

Und natürlich die Angst, immer wieder die Angst. Es könnte enttäuschend sein. Oder schlimmer: Es könnte fantastisch sein! Und dann zerbrechen.

Und nun? Hören wir einfach alle auf, uns zu verlieben, obwohl es doch genau das ist, was wir wollen? Oder müssen wir uns vor dem Eingehen einer wie auch immer gearteten Beziehung erst in alle Richtungen absichern? Wie soll das gehen? „Pass auf, im Moment bin ich zu ca. 92% in dich verliebt, Tendenz zunächst noch steigend, aber nach etwa einem Jahr, du weißt es, setzt die Gewöhnung ein. Wenn wir uns beide Mühe geben, können wir vielleicht mittelfristig einen 85er Schnitt halten, aber für den Fall, dass das nicht funktioniert, schlage ich vor, dass wir die ganze Sache erstmal auf 36 Monate befristen. In diesem Zeitraum kann jeder ohne Verluste aus dem Vertrag aussteigen und bekommt sein Herz zurück.“

Vielleicht täusche ich mich aber auch, und wir sind wirklich so hart und kommen besser ohne Gefühle aus. Dann suchen wir uns nach objektiven Kriterien jemanden, mit dem wir ab und an das Bett und vielleicht, in guten Fällen, ein paar Gedanken teilen können, jemanden, der uns gerade sympathisch genug ist, uns aber eben nicht zu sehr verzaubert. Der bekommt dann in unserem Kalender einen Platz zwischen dem Zahnarzttermin und dem Besuch bei den Eltern. Schön geordnet, nur kein Risiko.

 

Ha, denkt ihr, jetzt kommt sie gleich mit der Lösung! Da muss ich leider, wie so oft, enttäuschen. Noch konnte ich kein Allheilmittel für Liebesunfähigkeit und Gefühlsverdummung ausmachen. Ich war sehr verliebt. Ich war sehr unverliebt. Und gerade versuche ich mich daran, ab und zu ein bisschen verliebt zu sein — je nachdem, wie es gerade passt. Aber sehr viel weiser bin ich dadurch nicht geworden. Und überhaupt wurde ich in letzter Zeit des Öfteren darauf hingewiesen, dass meine Vorstellung von Beziehungen vielleicht nicht den Ideen der Mehrheit entspricht. Von daher wollt ihr meinen Rat besser gar nicht.

Und ich will auch keinen Rat! Ich will Herzrasen, Appetitlosigkeit und Ungewissheit! Ich will erste Küsse und sehnsüchtiges Warten auf ein Zeichen! Ich will, dass mein abgeklärtes Ich meinem altmodischen Ich dabei zuschaut, wie es selig grinsend in sein Verderben läuft!

 

Ihr seht, ihr habt umsonst gelesen. Ich kann euch nicht helfen, denn mir ist selbst nicht zu helfen. Aber als unverbesserlicher Optimist komme ich wohl nicht umhin, am Ende allen Zweiflern und Verzweiflern wenigstens etwas zu wünschen:

Lasst euch die Liebe nicht kaputt machen. Und lasst euch von ihr nicht kaputt machen.


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13 Antworten

3 12 2008
Handelskraft

liebe ist eine funktion. mehr wahrschienlich nicht.
danke für diesen tollen beitrag.

3 12 2008
bastiH

.

3 12 2008
siesn

Das war überhaupt nicht umsonst..toller Beitrag!

3 12 2008
mama

bei meinem kommentar stürzt gleich der PC ab. dabei hatte ich nur geschrieben, dass ich dich doch nicht gut genug kenne und dank des blogs in deine seele sehen kann, die sich lt .horoskop der nächsten woche mit deinem körper im gleichklang befindet. also sollte es dir doch recht gut gehen- oder? Abschicken 2.Versuch

3 12 2008

… zwar lieg ich nachts stundenlang wach und denkan dich, doch in wirklichkeit lieb ich dich nicht…

4 12 2008
Ella Shzzzq

… zwar gibt es keinen schöneren Fösch auf der ganzen Welt für mi-hich, doch in Wirklichkeit… träume ich manchmal heimlich von Farin. ;)

4 12 2008
dorfkindinderweitenwelt

also ich eher von bela!
wenn jetzt immer mehr menschen feststellen, dass ihre ansichten über beziehungen nicht mit denen der mehrheit übereinstimmen, dann werden irgendwann vielleicht gerade die die mehrheit oder so… naja.

4 12 2008
Ella Shzzzq

Yeah, lass uns die Welt verändern, Hirschl!

5 12 2008
ImmerNochNichtArbeitender

Das haben schon einige versucht, bei den Meisten sah das Ergebniss noch schlimmer aus als der Zustand davor!
Ich für meinen Teil seh das so: Was kümert es mich was die Mehrheit denkt? Oder andere von mir halten? Ich bin wer ich bin, wie ich bin, und wems nicht passt, der kann mir den Buckelrunterrutschen!

5 12 2008
Ella Shzzzq

Das sagen viele, Monsieur „IchwechsletäglichmeinenNamen“, doch die wenigsten meinen es wirklich ernst.
Ein bisschen Weltverändern kann der Welt übrigens nicht schaden, denke ich. Und wenn es nur darum geht, dass ein paar Menschen ungestraft glücklich sein dürfen (indem sie z.B. tun, was sowieso die meisten gern würden, sich aber nicht trauen, weil sie Angst vorm Konventionsbruch haben), ist der potentielle Schaden zunächts mal noch gering. Doch keine Sorge, des Hirschn und meine Weltveränderung endet ein Stück vor Eurer Haustür, Verehrtester. ;)

5 12 2008

…du hast so schöne augen und ein noch schöneres gesi-hicht,doch in wirklichkeit lieb ich dich nicht…
eigentlich bist du mir egal, eigentlich bist du nicht mein tyyyyyyyp
und auf jedenfal bin fast gar nicht in dich verliiiiiiiiiiiiebt…

8 12 2008
dorfkindinderweitenwelt

spät hab ich die weiteren kommentare gelesen, aber möchte doch gern noch für den, der seinen namen gern ändert, hinzufügen, dass es mir nicht darum geht wie die masse zu sein, dass das nicht vorhanden sein einer solchen aber den schwierigkeitsgrad erhöht auf jemanden mit ähnlichen gedanken zu treffen.

10 12 2008
mama

hitverdächtig dieses thema!!!!!ich bin der 13. kommentar. ich glaube das gab es bisher noch nicht. und mancher sagt alles mit einem „.“

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